Die IFBB Masters-EM in Donetsk 2010 … aus meiner Sicht
Von Kurt Strohmayer
Der „Große Preis von Österreich 2010“ in Lustenau ist noch in bester Erinnerung als ich nach drei „intensiven Schummeltagen“ meine Wettkampfdiät und das Training für meinen heurigen Karrierehöhepunkt, die Masters-EM in Donetsk (Ukraine), fortsetze.
Die Motivation ist ungebrochen hoch. Nach den Erfolgen bei den beiden Meisterschaften in Österreich will ich unbedingt auch eine super Form in der Ukraine auf die Bühne bringen. Die Ehre für unser Land zu starten gibt den letzten Funken Motivation dazu. Ich lege wirklich nochmals all meine Kraft in das Training mit teilweise 2-mal täglichen Krafttrainings- und Cardioeinheiten. Am Tag vor unserem Abflug nach Donetsk bin ich bereits sehr trocken und habe mit dem Aufladen noch gar nicht richtig angefangen. Trotzdem zeigt die Waage 78 kg an. Ich muss also runter mit dem Gewicht. Daher verschiebe ich das richtige Aufladen auf Freitag nach dem Wiegen und Messen.
Am Freitag den 18.06. trifft sich die IFBB-Austria Nationalmannschaft am Flughafen Schwechat und es geht endlich los. Jörg Kapfer und Uwe Kirschmann erledigen den ganzen Papierkram mit Einchecken usw. und mit ca. 30 Minuten Verspätung geht es ab nach Donetsk. Die Einreise in die Ukraine klappt problemlos. Sein Gepäck darf man sich selbst aus einem Haufen Taschen und Koffern raussuchen. Egal, es ist ja alles da. Mit dem Autobus werden wir nun ins Hotel Atlas transportiert. Der erste Eindruck vom Hotel ist Klasse. Ein wirklich schönes und sauberes Quartier. Hier haben wir uns sofort wohlgefühlt.
Wir beziehen unsere Zimmer. Gegen 19.00 Uhr geht es zur Abwaage – Schock - ich werde auf 172 cm gemessen und habe 76,5 kg, bin also 0,5 kg zu schwer. Ich bekomme eine halbe Stunde Zeit bis zum Nachwiegen. Also rauf auf das Zimmer und ab auf die Toilette, das halbe Kilo muss irgendwie runter. Es klappt dann beim Nachwiegen gerade noch. Gott sei Dank! Und nun beginne ich mit dem Laden - „Grins“!
Am Morgen des Vorkampfes gehe ich natürlich sofort zum Spiegel. Passt! – Ich bin prall, definiert und habe überall Adern. Nach dem Frühstück im Speisesaal tragen wir nochmals den neuen Selbstbräuner auf. Danach gibt es vor dem Hotel die erste Fotosession mit unserem Team. Wir machen mächtig Eindruck bei den anderen Teilnehmern sowie Offiziellen und Hotelgästen. Man sieht sofort Karl Hannig, Christian Manasek, Alois Rettenwender und ich sind wirklich super in Form.
Dann geht es in die Halle. Ein riesiger Aufwärmraum und auch Backstage jede Menge Platz, die Bühne sehr groß und die Halle einfach super. Wir sind alle in Hochstimmung und voller Angriffsgeist. Jörg, Uwe, meine Frau Daniela und Lois Lebensgefährtin Susi halten uns immer am laufenden damit wir wissen wann es für uns losgeht.
Und dann ist es soweit. Lois und ich sind die ersten Starter unseres Teams. 10 Teilnehmer aus 9 Nationen in unserer Klasse, eine echte IFBB-Europameisterschaft halt. Rauf auf die Bühne ins Line Up. Das Niveau ist enorm. Keiner fällt richtig ab. Das wird hart werden. Nach gut 5 Minuten im Line Up dürfen wir zurück treten. Jetzt gilt es, denke ich mir. Der erste Vergleich – und – ich bin dabei. Super!!! Ich konzentriere mich voll. Jörg und Daniela zeigen mir immer den Daumen nach oben, also bin ich nicht schlecht. 2. Vergleich – ich werde in die Mitte gerufen. Das schaut gut aus! Der 3. Vergleich ohne mich. Der 4. Vergleich - wieder dieselben Athleten wie im 2. Vergleich. Das war der Vorkampf. Jörg sagt sofort, dass ich am trockensten von allen sei und es sicher für das Finale reichen würde. Das war super. Für Lois würde es knapp werden, aber abwarten. Dann sind Chris und Karl dran und für beide sieht es gut aus. Sehr zufrieden liegen wir dann ein bisserl in der Sonne und fahren später wieder zurück ins Hotel. Während des Abendessens wird die Liste der Finalisten aufgehängt: Chris, Karl und ich sind dabei, Lois leider undankbarer Siebenter. Nach dem Abendessen und einigen Zigaretten in der Hotellobby gehen wir zum nahen Mäci. Dort verschlingen wir ein paar Burger. Das Bestellen ist nicht so leicht, denn mit Englisch hat das Personal seine Probleme und mit der kyrillischen Schrift sind wir hoffnungslos überfordert.
Dann geht´s ab ins Bett. Ich versuche zu schlafen, was nicht wirklich gut gelingt. Ich bin einfach zu nervös und aufgeregt. Ich lade meine Speicher die Nacht über nochmals voll auf, wobei der Durst mir aber schon sehr arg zu schaffen macht. Am Sonntagmorgen sagen mir Uwe und Jörg nur „es sei schon krank wie meine Beine gestreift und voller Adern sind“. Also bin ich in Bestform, super!
Am Vormittag gehen Chris, Lois, Susi, Daniela und ich auf einen Markt in der Nähe der Veranstaltungshalle. Ein Erlebnis der besonderen Art, denn solche Märkte findet man bei uns nicht mehr. Wir kaufen ein paar T-Shirts und Geschenke für unsere Lieben daheim. Der Spaß kommt nicht zu kurz. Chris entpuppt sich als absoluter „Schmähbruder“! Obwohl das Finale vor der Tür steht, sind wir locker und lustig drauf.
Dann gehen wir zurück in die Halle und machen nochmals Fotos vor der Halle im schönsten Sonnenlicht. Danach geht es los mit dem üblichen Abläufen, Liegen, ein bisserl Essen, ein paar Schluck vom Carbogetränk und die Posingkür ein paar Mal durchgehen. Chris und ich liegen nebeneinander, quatschen ein bisserl oder schlafen auch mal kurz ein. Daniela kommt zu mir und sagt, dass es bald losgeht. Also beginne ich mit dem Aufpumpen, Posingöl auftragen und trinke heißen Kaffee mit Ultracarb. Wir gehen hinter die Bühne und jetzt kribbelt es ganz schön im Bauch. Verdammt, die anderen Jungs sehen heute alle besser aus als gestern. Das wird wieder hart. Erich Janner bringt uns auf die Bühne und wir absolvieren die Pflichtposen. Nochmals tauschen die Kampfrichter unsere Positionen und nochmals machen wir die Pflichtposen. Ich stehe nun neben Taavi Koovit aus Estland und hab ein sehr gutes Gefühl. Taavi sieht super aus, aber ich glaub` ich brauche mit nicht zu verstecken - und das tue ich auch nicht.
Dann geht es los mit der Posingkür. Ich bin als Letzter dran. Ich pumpe ein wenig hinter der Bühne, sehe mir aber keine Kür der Konkurrenten an. Nun gehe ich rauf, knie mich in die Mitte der Bühne und los geht’s zu „Fluch der Karibik“. Es klappt gut. Ich treffe den Rhythmus der Musik und merke wie das Publikum bei meinen Rückenposen mit Staunen reagiert. Jetzt kommt der Wechsel zu AC/DC, also Vollgas und die Leute klatschen mit und jubeln. Mann, ist das ein Supergefühl, eigentlich will ich gar nicht aufhören.
Nun heißt es warten auf die Siegerehrung. Ich sitze am Rand der Bühne mit Taavi und seiner Freundin und wir unterhalten uns. Ein paar mal kommen Zuschauer zu uns und lassen sich mit uns fotografieren bzw. wollen Autogramme auf den mitgebrachten Plakaten von der EM. Wir beide lachen und sagen wir wären jetzt „little Bodybuilding Pros“.
Jetzt ist es soweit. Wir dürfen zur Siegerehrung auf die Bühne. Die Spannung bei mir ist kaum auszuhalten. Ich schaue zu Daniela runter in den Zuschauerraum und ich sehe sofort ihr geht es genauso. Der 6. Platz geht nach Polen, 5. Platz nach Spanien. Nur nicht jetzt denke ich und blicke ein bisserl verängstigt zu Daniela und Lois. 4. Platz Ukraine Sergei Shabelnyi. Ja!!! Ich habe eine Medaille. Ich balle kurz meine Faust. 3. Platz geht in die Türkei an Ismail. Wahnsinn, unser Team jubelt im Zuschauerraum. Taavi und ich gratulieren uns gegenseitig und nehmen uns bei der Hand. „2nd place goes to Austria - Kurt Strohmayer!“ sagt der Veranstaltungssprecher. Taavi schreit vor Freude auf und fällt mir um den Hals. Es ist unbeschreiblich. Ich gratuliere ihm, denn für mich ist er der klare Sieger, absolut verdient. Ich bekomme den Pokal, die Urkunde und der IFBB-Präsident Dr. Santonja hängt mir die Silberne um den Hals. Wow, ist die schön und schwer. Ich küsse die Medaille und zeige sie ganz stolz unserem Team. Jetzt die Hymne für Estland, ich hab irgendwie einen Kloss im Hals obwohl ich grinse über das ganze Gesicht. Fotos für die Fotografen und dann runter von der Bühne. Jetzt wird es emotional. Daniela kommt und küsst mich und dann gibt es viele Freudentränen bei mir, genauso wie bei Lois und Susi. Es ist so schön den besten Freund heute dabei zu haben. Jörg und Uwe kommen angerannt und gratulieren mir Unzählige Fotos werden geschossen. Sms geschrieben und gelesen, etc. etc. Als ich in den Aufwärmraum zurück komme, kommt Sergei zu mir, gratuliert mir nochmals und gibt mir eine halbe Tafel Schokolade, Wahnsinn, das passiert dir nur im Bodybuilding. Ich trockne mich ab, hole mir was zu trinken und setze mich ins Publikum, um Chris und Karl anzufeuern.
Chris ist heute viel besser als gestern und kämpft wie ein Löwe. Und es zahlt sich aus für ihn, denn damit arbeitet er sich auf den 5. Platz vor. Mit breitem Lächeln nimmt er seinen Pokal entgegen. Karl ist echt klasse. Er hat die beste Definition von allen über 60 Jährigen. Er muss sich nur der Bodybuilding-Legende Manuel Valbuena aus Spanien geschlagen geben.
Wir machen noch Teamfotos hinter der Bühne mit unseren Preisen. Auch Präsident Dr. Santonja kommt zum Fotografieren und zahlreiche Zuschauer aus der Ukraine lassen sich mit dem Team Austria fotografieren. Wir sind schon eine lässige Truppe.
Der Rest des Tages ist nur mehr Spaß ohne Ende. Im Hotel kommt Taavi mit einer Flasche Sekt zu mir und wir trinken zusammen auf unseren Erfolg. Beim Abschlussbanquet erwischen wir leider, wie viele andere auch, nichts mehr zum Futtern. Also wieder auf zum Mäci. Dort treffen wir dann die Deutschen, Türken, Esten, Finnen, Rumänen und Italiener … Die „normalen“ Leute aus Donetsk schauen nur ungläubig was diese gebräunten Typen so alles verdrücken können. Zurück im Hotel feiern wir im Team in der Hotelbar weiter. Chris und ich bleiben schließlich als die beiden letzten übrig. Gegen 2 Uhr reicht´s dann auch für uns und wir bringen unsere mit Mäci und Bier gefüllten Bäuche ins Bett.
Am nächsten Tag gibt es dann für uns Athleten auch das „richtige“ Frühstücksbuffet. Um 11.00 Uhr geht es mit dem Bus wieder zum Flughafen und zurück nach Österreich. Ein unvergessliches Wochenende liegt hinter uns, das mir wieder ganz deutlich gezeigt hat welch einen Supersport wir ausüben!
Mein Dank gilt Daniela, die den ganzen Weg der Vorbereitung bis zur Bühne alle Jahre mit mir gemeinsam geht und mir soviel Kraft gibt. Danke auch an meinen Trainingspartner Marco, wir sind ein Klasseteam! Vielen Dank an meinen besten Freund Lois und seiner Susi für die Anfeuerung am Finaltag, durch euch wurde dieser Tag erst richtig unvergesslich. Natürlich auch danke an unser „IFBB-Team Austria“ in Donetsk, es war einfach eine Riesengaudi mit euch zusammen zu sein – jederzeit wieder!







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